Der kurioseste Bankraub in der Geschichte der Schweiz

Achim-David Z’Brun: «Meine Zellengenossen lachten mich aus und wollten die
Geschichte nicht glauben.»

Achim-David Z’Brun spazierte in Basel in eine Bank und verlangte Geld, um es an Bedürftige zu verschenken. Die Geschichte hinter dem nicht alltäglichen Plan.

Als «kuriosesten Bankraub in der Geschichte der Schweiz» bezeichnete der «Blick» den «Überfall» von Achim-David Z’Brun auf ein Geldinstitut in Basel. Der Rarner spazierte im November 2013 in die Kantonalbank an der Schifflände in Basel, reihte sich brav in die Schlange der wartenden Kunden ein und legte der verdutzten Bankangestellten einen Zettel hin, auf welchem er 10 000 Franken forderte. Nicht aus Gier und Profitdenken, sondern um den geforderten Betrag an Bedürftige zu verschenken.

Der Plan schlug fehl, Achim-David Z’Brun wurde von der Polizei in Handschellen abgeführt und in Untersuchungshaft gesteckt. Die RZ machte den «Robin Hood der Bankräuber» ausfindig und sprach mit ihm über seinen ungewöhnlichen Plan und über seine Beweggründe.

Achim-David Z’Brun, Sie wollten die Kantonalbank in Basel um
10 000 Franken erleichtern.

Der sogenannte Bankraub lief ein wenig anders ab, als es in den Medien dargestellt wurde. Zuerst besuchte ich die Bank in Basel und fing an, mit dem Bankdirektor zu diskutieren. Ich fragte ihn, ob mir die Bank Geld geben wolle, damit ich dieses an Bedürftige verschenken kann. Schliesslich liegt auf einer Bank genug Geld. Obwohl wir eine gute Diskussion hatten, ging der Bankdirektor nicht auf meine Forderung ein.

Dann verliessen Sie die Bank?
Richtig. Ich liess mich allerdings nicht abwimmeln. Ich dachte, nun versuche ich es auf einem anderen Weg. Vor dem Gelände der Bank schrieb ich einen Zettel. Darauf stand: «Dies ist kein Banküberfall.» Daneben formulierte ich meine Forderung nach den 10 000 Franken und malte eine Blume sowie ein Gewehr. Es dürfte offensichtlich gewesen sein, dass von mir keine Gefahr ausgeht. Als ich an der Rezeption stand, griff ich demonstrativ in meine Tasche und legte der Bankangestellten den Zettel vor. Die Angestellte wollte mir allerdings kein Geld geben, daraufhin verlangte ich eine schriftliche Begründung, die ich allerdings nicht erhielt.

Was geschah dann?
Obwohl ein Mitarbeiter der Bank meinte, es sei nicht nötig die Polizei einzuschalten, wurde diese alarmiert. Schliesslich kamen vier Beamte, legten mir Handschellen an und führten mich ab. Ich liess mich widerstandslos festnehmen, ich bin nicht gefährlich. Trotzdem durchsuchten die Beamten meine Wohnung. Sie suchten Waffen (lacht).

Sie kamen in Untersuchungshaft.
Die Polizei sperrte mich während dreieinhalb Wochen ein, was ich als unverhältnismässig empfinde. Das Leben im Gefängnis war aber eine gute Erfahrung. Du merkst erst, was Freiheit bedeutet, wenn du sie nicht mehr hast. Ausserdem faszinierte mich der Zusammenhalt der Gefangenen.

Haben Sie Ihren Zellengenossen von dem «Banküberfall» erzählt?
Allerdings. Sie lachten mich aus und wollten die Geschichte nicht glauben.

Nach den rund drei Wochen im Gefängnis wurden Sie freigelassen?
Das stimmt. Ich musste mich allerdings verpflichten, meinen Wohnsitz in einer Gemeinde anzumelden. Weiter musste ich einem psychiatrischen Gutachten zustimmen, was ich auch tat.

Was sagt dieses Gutachten über Sie aus?
Die Resultate liegen noch nicht vor. Ich habe die zuständige Person zweimal getroffen, dann habe ich es sein lassen. Denn: Wer entscheidet, was normal und verrückt ist? Wenn ich die Gesellschaft sehe, bin ich froh, dass ich anders bin und nicht der Norm entspreche. Die Gesellschaft stellt Erwartungen an jeden von uns, welche ich allerdings nicht zu erfüllen bereit bin. Ich will meine Individualität ausleben. Ich will so sein wie ich bin. Wagst du es, die Erwartungen der Gesellschaft nicht zu erfüllen, musst du allerdings mit Repressionen rechnen.

Ihren «Banküberfall» kündigten Sie bei der Presse an. Wozu das Ganze?
Es ist doch so: Geld beherrscht die Welt. Wenige haben viel und viele
haben wenig. Mit meinem Vorgehen wollte ich auf diesen Missstand aufmerksam machen. Um eine grössere Wirkung zu erreichen, machte ich die Sache publik. Ich mache Sachen, die andere gerne machen würden, sich aber nicht trauen. Eigentlich ist die ganze Geschichte um den sogenannten Banküberfall ziemlich harmlos. Sie zeigt aber Erschreckendes: Die Reichen sind nicht bereit zu teilen.

Nun läuft gegen Sie ein Verfahren.
Ich bekam einen Pflichtverteidiger gestellt. Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass bei mir die Grundsätze «Im Zweifel für den Angeklagten» und die Unschuldsvermutung gelten. Da man mir keine grosse Straftat nachweisen kann, wird nun ein psychiatrisches Gutachten erstellt. Die werden schon was finden. Frei nach dem Grundsatz: Unschuldig geht nicht.

Es gibt Menschen, die Ihre Tat als verrückt bezeichnen.
Ich bin ein Querdenker. Ausserdem zeigt die Geschichte: Viele der Menschen, welche die Gesellschaft weitergebracht haben, waren ein wenig verrückt. Wie so oft liegen Genie und Wahnsinn nah beieinander.

Sie prangern die Gesellschaft und die ungerechte Verteilung des Geldes an. Nur leere Worte?
Nein. Vor einer Spanienreise verkaufte ich mein Haus und verschenkte rund 70 000 Franken. Ich lebe meine Wahrheit, ich lasse den Worten auch Taten folgen. Trotzdem will ich mich nicht aus der Gesellschaft ausschliessen und alleine leben, ich muss einen Konsens finden.

Inzwischen ist die Geschichte vom «Banküberfall» bekannt. Es gibt Gerüchte über Sie.
Die wenigsten Menschen sprechen mich direkt an. So entstehen Unwahrheiten und Gerüchte. Dabei ist Ehrlichkeit das Wichtigste. Warum müssen Menschen einander immer beurteilen? Warum können sie nicht tolerant sein?

Bereuen Sie Ihre Tat?
Mit Sicherheit nicht. Der Preis war der Gefängnisaufenthalt. Trotzdem überwiegen die positiven Erfahrungen, die ich gemacht habe. Ausserdem habe ich gemerkt, dass der Staat sehr ernst reagiert, wenn du mit ihm spielst. Ich weiss nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll.

Bezeichnen Sie sich als Anarchist?
Durchaus. Anarchie bedeutet nichts anderes als Herrschaftslosigkeit. Ich bin überzeugt, dass es den Menschen damit besser gehen würde. Dass aus Herrschaftslosigkeit zwingend ein Chaos entstehen würde, halte ich für einen Trugschluss.


Rhonezeitung, 16. Januar 2014