Die Medien-Wüste beackern

Da ist sie wieder, die Rote Anneliese. Sie ist so dringend wie eh und je. Denn während sich «z’Lisi» eine kurze Verschnaufpause gönnte und vor sich hinschlummerte, waren andere fleissig am Werk.

Dabei sind die Ereignisse und Entdeckungen der letzten Monate Sinnbild dessen, wogegen die Rote Anneliese seit einundvierzig Jahren anschreibt. Gegen eine von Vetternwirtschaft, Mauscheleien und Komplizenschaft durchzogene Politik, gegen Missstände und Ungerechtigkeiten. Glasklar sind diese Eigenschaften in den letzten Monaten in Erscheinung getreten. Erneut wurde klar, dass das Wallis zwei Gesichter hat: Das fortschrittliche nach vorne gewandte Gesicht, das die vorherrschenden Verhältnisse ändern möchte. Und die rückständige Visage, welche die Kultur der Gefälligkeiten und Freundschaftsdienste aufrecht erhalten will. Zum Nutzen von einigen, zum Schaden von vielen.

Oft blitzt dieses zweite Gesicht in unserem Alltag auf, oft hat es die Überhand. So sind die schweizweit grösste und lange verschwiegene Quecksilberverschmutzung, die Affäre um den Steuerhinterzieher und mutmasslichen Weinpanscher Dominique Giroud, seine Verbindungen zu CVP-Staatsrat Maurice Tornay oder die verjährten Steuern des Staatsangestellten Jean-Marie Cleusix, nur Glieder in einer langen Kette von Ereignissen, die zeigen auf welche Weise das Wallis leider immer noch funktioniert.

Eine Mitschuld daran tragen auch die Walliser Medien, die unkritisch an den Geschehnissen vorbeischreiben, nicht recherchieren oder gar schweigen.

Ohne Druck durch die Medien wird der Boden für den Filz bereitet, der manchmal nach Jahren und dann doch eher zufällig ans Licht tritt. Nur eine kritische, kompetente und vielfältige Medienlandschaft ist der Bevölkerung auch von Nutzen. Seitdem sich die Mengis Druck und Verlag AG auch noch den Konkurrenten Alpmedia AG und damit die RhoneZeitung einverleibt hat, ist die Oberwalliser Medienwüste noch trockener geworden.

Die Rote Anneliese beackert diese Wüste.