«Du sitzt im Auto des Teufels»

Bild: BT

Zwei junge Männer mussten sich gestern vor dem Regionalgericht Berner Jura-Seeland verantworten. Sie hatten zahlreiche Gesetze gebrochen. So entführten sie eines ihrer Opfer, um ihm Geld zu rauben. Waffen kamen keine zum Einsatz, trotzdem zeigte das Gericht Härte.

Verwirrung entstand zu Beginn der Verhandlung. Einer der beiden Geschädigten wurde nicht als Privatkläger geladen und musste deshalb auf der Zuschauertribüne Platz nehmen. Der andere Geschädigte sass hingegen in unmittelbarer Reichweite zu seinen beiden Peinigern, was ihn aber nicht gross zu stören schien. Überhaupt war die Stimmung zwischen den Angeklagten und den Opfern entspannt, der Ausgang des Prozesses schien bereits vor dessen Beginn klar zu sein.

Nach dem Stühlerücken hatte das Gericht in der Tat leichtes Spiel. Abgekürztes Verfahren, umfassende Geständnisse und Täter, die sich artig bei ihren Opfern entschuldigten. Trotzdem konnten die Taten nicht einfach als Übermut von jungen Männern abgetan werden, die Vorwürfe wogen schwer.

Die Freiheitsberaubung
An einem Septemberabend im Jahr 2015 waren die Täter mit einem BMW auf der Bieler Poststrasse unterwegs, als sie ihr erstes Opfer auf der Strasse erblickten. Sie entschieden, den jungen Mann auszurauben. Sie stiegen aus und verlangten Geld und Marihuana. Das Portemonnaie des Opfers wechselte gewaltsam den Besitzer.

Da der Geschädigte kein Geld mit sich führte, bugsierten ihn die Täter zu einem nahegelegenen Geldautomaten. «Wenn du tust, was wir dir sagen, wird dir nichts geschehen», sagte einer der Täter. Allerdings konnte das Opfer von seinem Konto kein Geld abheben, woraufhin der junge Mann wieder zum Auto gezerrt wurde. Hier wurde sein Rucksack durchsucht, ausserdem sollte er einen Kollegen anrufen, der ihm Geld beschaffen sollte. Als auch dies misslang, musste das Opfer sein Mobiltelefon übergeben und ins Auto steigen. «Du sitzt im Auto des Teufels», drohte einer der Täter, bevor das Opfer auf die Strasse gesetzt wurde.

Der zweite Raubversuch
Die Beute in Form eines Mobiltelefons war den beiden Tätern zu wenig. Nur rund eine halbe Stunde nach der ersten Tat, folgte die zweite. Erneut hielten die Täter ihren BMW an und bedrohten einen jungen Passanten auf dem Unteren Quai, er solle ihnen sein Geld geben. Der Geschädigte übergab seinen Geldbeutel, die Täter bemächtigen sich der Bankkarte. Erst als der junge Mann beteuerte, er habe kein Geld auf dem Konto, liessen die beiden Täter von ihm ab und flüchteten.

Keine Bagatelle
Mehrfacher Raub und Freiheitsberaubung sind keine Kavaliersdelikte. In der Summe hiess das für einen der Täter: Eine bedingte Haftstrafe von zwanzig Monaten, inklusive einer zweijährigen Probezeit. Dazu muss er die Hälfte der Verfahrenskosten übernehmen.

Der zweite Täter wurde härter bestraft. Neben dem mehrfachen Raub und der Freiheitsberaubung, kamen noch mehrfach begangene Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz hinzu. Das tönt harmlos, ist es aber nicht.

Der junge Mann verursachte etwa einen Unfall und beging danach Fahrerflucht. Der Deliktkatalog des Täters ist aber noch bedeutend länger. So fuhr der Mann, der nur einen Lernfahrausweis besitzt, mehrfach ohne Begleitperson. Zudem stahl er in einer Tiefgarage ein Kontrollschild, das er anschliessend verwendete. Damit ausgerüstet, beging er unter anderem mehrere massive Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Einige Stunden später flüchtete er vor der Polizei und verletzte dabei elementare Verkehrsregeln – zu zahlreich, um sie alle aufzuzählen. Um die Polizei abzuschütteln hielt er etwa vor einem Bahnübergang. Erst kurz bevor der Zug den Übergang überquerte, gab er aus dem Stand heraus Vollgas und bretterte los. Der Zug sollte die Polizei aufhalten, eine filmreife Szene. Er konnte flüchten, wurde dann aber einige Tage später – nach erneuten Katz- und Maus-Spielen mit der Polizei – gefasst.

Das Gericht bestrafte den Mann mit einer dreijährigen Haftstrafe, wovon er ein Jahr absitzen muss. Die Richter wandelten die restlichen zwei Jahre in eine Probezeit um. Dazu kommen noch die Prozesskosten und eine Geldstrafe von insgesamt 13 200 Franken. Das sei eine harte Strafe an der oberen Grenze, erwähnte die Verteidigung zum Abschluss der Verhandlung.

Die Richter wollten mit dem Urteil aber vor allem ein Zeichen setzen. «Das nächste Mal wird es keine bedingten oder teilbedingten Strafen geben», mahnte das Gericht mehrmals.


Bieler Tagblatt, 15. Februar 2017