Erziehung macht Spass

 « Papaaa!» Der fordernde Ruf meiner neunjährigen Tochter durchschneidet den Panzer aus Gemütlichkeit, den ich mir am Sonntag überstreife.

Ich quäle mich durch den Spalt und verfluche die 20 Minuten Spass, die ich vor neun Jahren mal hatte. Es hilft nichts. Ich habe es versprochen. Und irgendwie hat man sein Kind ja auch gern. So wie diesen Sonntag. Auf, der Spielplatz wartet.

Der Weg zum sicheren Kinderareal ist Kriegsgebiet. Verwahrloste Jugendliche und Hunde lauern am Wegrand, die Natur fliegt Angriffe gegen das Immunsystem. Zitternd erreichen wir das Eingangstor. Dahinter verbirgt sich ein Paradies: TÜV-geprüfte Spielgeräte, der Boden aus weichem Material, Gspänlis zum Spielen. Ich entlasse meine Tochter in die Freiheit: «Hopp, Hopp, Tochter. Geh spielen.» Wenn der Plan funktioniert, schliesst sie Freundschaft mit den anderen Zwergen. Dann stört sie nicht und ist Papas Liebling. In diesem Fall verschliesse ich den Spalt in meinem Panzer wieder. Hermetisch.

Auf Spielplätzen gibt es zwei Zonen. Die eine gehört den Kleinen, echte Eltern meiden sie wie die Pest. So wie ich. Wenn sich meine Tochter prügelt, dient das der Entwicklung. Das sagt der Eltern-Ratgeber. Die zweite Zone gehört den Erwachsenen. Leider sind Kinder oft schlecht erzogen, mutig überqueren sie die Grenze. Sie wollen spielen, schliesslich lebt Papa während der Woche im Büro. «Da, das Smartphone. Spiel doch damit.» Der Zwerg gibt Ruhe. Dann gibt es noch die Glucken-Eltern: Sie lassen ihre Lieblinge nie alleine und missachten die Zonen. Deshalb ächten wir sie. Auf dem Spielplatz haben sie keine gleichaltrigen Kollegen.

Meine Tochter war übrigens sehr brav. Sie arbeitete an ihrer Entwicklung – während Stunden. Die Schreie der anderen Kinder zerschellten an meinem Panzer. Ein herrlicher Tag.