Die heiligeren drei Könige

Traditionen und Bräuche bringen uns Menschen dazu, lustige Dinge zu unternehmen.

Nachdem wir unter geschmückten Tannenbäumen von Glückseligkeit gekrächzt und an Silvester Wolken durchlöchert haben, feiern wir heute den Dreikönigstag. Also hetzen wir in Bäckereien und streiten uns um einen Klumpen Teig, in den ein Plastikmännlein versenkt wurde. Entgegen jedem Hungergefühl verzerren wir das Teigige und sehnen uns nach dem Stück Plastik, das uns in den Status eines Monarchen erhebt.

Andere zelebrieren den religiösen Hintergrund, also das Sichtbarwerden der Göttlichkeit Jesu in der Anbetung durch die Könige. Übrigens gedenkt die Kirche heute auch einem äusserst nützlichen Wunder: Der Umwandlung von Wasser in Wein.

Für mich und meine beiden Brüder hat der Tag eine andere Bedeutung. Als wir noch klein waren, verpasste uns Mama den Namen «Die heiligeren drei Könige». Damit wollte sie erreichen, dass wir uns zumindest an einem Tag im Jahr wie Heilige benehmen. Sie hat es bitter bereut: Könige dürfen befehlen, Mama musste kuschen und hatte erst recht nichts mehr zu sagen. Das bescherte uns Rabauken tolle Erinnerungen.

So treffen wir uns an jedem Dreikönigstag zu einem nostalgischen Umtrunk und verwandeln fleissig Wein in Wasser – unser persönliches Wunder.