Sorgenkind A9

«Die Autobahn durch das Oberwallis wird bis zum Jahr 2019 fertiggestellt», versprach CVP-Staatsrat Jacques Melly am 25. Juni 2012. Das waren leere Worte.

Der Autobahnausbau im Oberwallis kommt nicht vom Fleck. In einem Bericht, der in der Märzsession zur Debatte kommen wird, nahm die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats (GPK) nun endlich eine Standortbestimmung vor und analysierte dabei das Desaster beim Autobahnbau.

Die Schlussfolgerungen sind ernüchternd: Die komplette Eröffnung der Autobahn wird um mindestens sechs Jahre verschoben. Damit nicht genug: Der Gesamtkostenvoranschlag wird um rund zwei Milliarden Franken überzogen, was einer Verdoppelung der ursprünglich in Aussicht gestellten Kosten entspricht. Kosten, die zu vier Prozent auch vom Kanton Wallis getragen werden müssen.

Fehlkalkulationen in dieser Grössenordnung müssen als Schlamperei bezeichnet werden. Vor allem wenn man bedenkt, dass bei derart komplexen Bauprojekten bereits in der Planungsphase die Abwägung aller Risiken sowie eine hohe Kostengenauigkeit verlangt wird. So kommt auch die GPK zum Schluss, dass «die angetroffenen baulichen Schwierigkeiten (…) insbesondere auf die Wahl der Linienführung und/oder des Projekts zurückzuführen sind.» Diese Wahl habe sich somit nicht immer als so vorteilhaft erwiesen, wie damals angenommen wurde. Mit anderen Worten: Die Autobahn A9 wurde im Oberwallis grösstenteils falsch geplant.

Die Erkenntnis, «dass die technische und finanzielle Planung möglichst gründlich sein müsse und es ermöglichen solle, die Schwierigkeiten bei der Arbeitsausführung rechtzeitig zu erkennen», kommt reichlich spät und sollte eigentlich zum Standard gehören.

So bleiben die Mehrkosten, problematische Baustellen und die Frage nach der Schuld. Wer ist verantwortlich für das Autobahn-Desaster im Oberwallis? Für die Klärung dieser Frage reicht kein dreizehnseitiger GPK-Bericht. Transparenz ist gefragt.